Gipfelstürmer:

Gipfelstürmer:


001 Aus der Vergangenheit.
002 Brüderchen ...





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E-Mail: ludwig.eppendorf@freenet.de

Letzte Änderung am 27.03.2019

001

56 Jahr teils heiter, ... .


56 Jahre in Geschichten. Diese Geschichten sollen keine unumstößliche Wahrheit dokumentieren, eher lustige Kurzweil. Es sind lediglich 56 Schritte eines Lebens, die man aufbewahren soll. Überall tun sich parallelen zu Ereignissen in der Umgebung auf. Vor allem in der Umgebung in den östlichen Ländern von Deutschland; und es ist gut, nicht zu vergessen.

Die ersten Schritte in die "Neuzeit" nach dem 1. Juli 1990 aus der DDR in ein vereintes Deutschland sind noch nicht die schwersten Schritte. Dies wussten leider die wenigsten Menschen der östlichen Länder. Ich habe viele Menschen nach der Stunde "Null" kennengelernt. In der Regel waren es Menschen aus den westlichen Ländern des vereinten Deutschlands. Diese Gruppe von Menschen hätte in der Regel gesagt: "Gott sei Dank, dass die ehemaligen Ostdeutschen nicht wussten was wir wissen, sonst hätten wir es nicht so leicht gehabt, diese dummen Kühe so reichlich zu melken". Ihnen war von vorn herein aus den vorhandenen Unterschieden ein hoher Zusatzgewinn garantiert. Natürlich will das keiner öffentlich wahrhaben. Ein jeder wird sagen: "Es gab schon welche, aber ich war es nicht!"

Die Schritte der Deutschen aus dem Osten waren unsicher, unbeholfen, verängstigt, sie liefen im Freudentaumel, sie führten sich hysterisch auf, sie zeigten sich nachdenklich. Meist zeigten sie sich froh und überrascht. Je nach Temperament und Erfahrung des Einzelnen war das unterschiedlich. Die Zeit nach der Stunde "Null" war die richtige Zeit zum Nachdenken, zum Lernen und Verstehen. Die vergangene und die neue Zeit mussten neu begriffen werden. Die eine Zeit währte zu lang, die andere war ganz neu.

Dazu einige Worte, die nicht für Jedermann von Interesse oder gar von Wert sind. Sie zeigen, dass man jede Sache gründlich überdenken kann. Es gab von Anfang an Dinge, die schon zu denken gaben, aber erst heute laut ausgesprochen werden dürfen.
Fast jeder Mensch hatte in der DDR irgendeine Weisheit vermittelt bekommen. Die ehemaligen Armen mussten geradezu überredet werden, zu studieren. Ich kenne nicht viele die "Nein" sagten. Es war so gewollt, dass es die Masse macht, die Masse der Arbeiterklasse. Aber wenn einer alles so recht verstanden und mit Lust und Liebe gelernt hatte, dann war guter Rat teuer. Wenn einer gar etwas werden wollte, der nicht alles dogmatisch glaubte, der hatte es schwer.
Irgendwo musste die einzig wahre und unantastbare Weisheit einen Haken haben. Es wurde der Kommunismus gelehrt. Aber vorher wurde an höheren Schulen und an den Universitäten das Fach Kapitalismus gelehrt. Z. B. die Ökonomie des Kapitalismus. Danach erhielt man eine Note. Anschließend wurde der Kommunismus gelehrt, und man erhielt nach der gleichen Zeit wieder eine Note. Ein Schönheitsfehler schwebte über den Studenten und den Dozenten. Die Notendurchschnitte im zweiten Abschnitt, dem Abschnitt der "einzigen Wahrheit" fielen schlechter aus, als die vergleichbaren Noten der vorangegangenen Lehrperiode. Bis hin zur Unterstellung von Faulheit und von Absicht ging es von den Verantwortlichen. Angeblich kam niemand hinter des Rätsels Lösung.

Und nun alte und neue Episoden von Fritz, einem recht durchschnittlichen Jungen, aber mit gutem altdeutschem Namen, dem er immer Ehre machen wollte.







Sich der Kindheit wahrhaft zu
erinnern, das heißt: plötzlich und
ohne langes Überlegen wieder wis-
sen, was echt und falsch, was gut
und böse ist.

/Erich Kästner/



Zum Andenken an meinen Schwiegervater, der als Pfarrer seine ganze Kraft Gott gab, für das Wohl aller Menschen.

(Alle Namen sind frei erfunden.)




Die Wiedervereinigung, oder Das "Wunderöl."

Der zweite Weltkrieg war zu Ende. Für alle betroffenen Menschen eine schwere Zeit. Zu jener Zeit begab es sich, dass eine Fee, eine gute Fee, in die "Deutschen Lande" kam. Sie schenkte allen Deutschen ein Fläschchen mit einem "Wunderöl" und knüpfte eine Bedingung, ein Vermächtnis, daran indem sie sprach:

"Zusammen mit eurem Fleiß wird dieses Öl helfen Wohlstand, Frieden und Freiheit zu schaffen. Es wird weiterhin helfen, diese Werte zu schützen und zu erhalten. Vermehrt das Öl, das fettige! Es steht als Symbol für Wohlstand und Demokratie. Aber haltet es sauber! Hütet Euch davor, es mit Wasser als Symbol für mager und als Symbol für Diktatur zu mischen! Wenn Wasser in das Öl gelangt, wird es verderben. Dieses Gemisch wird Euch verwirren, Ihr werdet verarmen und entmündigt!"

In dieser Zeit geschah es aber, dass böse Mächte einen kleinen Tischlerjungen zu ihrem Werkzeug machten. Sie überwältigten ihn in einem unheilvollen Traum. In diesem Traum sagten sie:

"Nimm dir etwas von dem Öl! Damit wirst Du die Welt verändern und das in deinem Sinne."

Sie ließen offen, dass es natürlich auch in ihrem Sinne, oder besser nur in ihrem Sinne war.

Diesem Vermächtnis folgte der Tischlerjunge, nach ihm noch ein zweiter Tischlerjunge und nach diesem noch ein Dachdeckerjunge. Mit Hilfe und mit der Macht der Bösen nahm sich der Tischlerjunge ein kleines Quantum von dem Wunderöl und ging auf eine Insel. Von da aus wollte er die ganze Welt verändern. Die bösen Mächte ließen ihn gewähren. Bestimmt wussten sie warum!

Der Tischlerjunge wusste nichts von der Bedingung, die an das Öl geknüpft war, dass man es nie mit Wasser vermischen durfte. Es fehlte ihm an der nötigen Erfahrung und an der Hilfe von den Mächtigen. Die Ölmenge wollte sich einfach nicht vermehren. Sie nahm langsam ab, und viel später, schon zu spät, vorübergehend ganz langsam zu. Durch einen Zufall merkte er, dass das Öl auch noch wirkte, wenn man es ein wenig verdünnte. Er füllte das kleine Fläschchen mit Flüssigkeit auf, und da er auf einer Insel lebte, welche von Wasser umgeben war, fand er nichts dabei, das Fläschchen mit Wasser aufzufüllen. Wasser, davon hatte er rundum genug. Außer Wasser fand er nichts und ihm fiel auch nichts anderes ein, dafür sorgten auch die Mächte. Vor allem seine Nachfolger machten von der Methode, das Fläschchen mit Wasser aufzufüllen, immer öfter Gebrauch.

Seither herrschte auf der Insel Verwirrung, die immer größere Ausmaße annahm. Die Menschen auf der Insel litten zunehmend. Sehnsüchtig schauten sie zum Festland, welches in der Ferne noch zu sehen war. Das missfiel dem Häuptling der Insel, und er ließ zusätzlich eine Mauer bauen. Die Mächte ließen ihn wieder gewähren. Die Verwirrung wurde trotzdem immer größer, und manches Leid kam über die Menschen, denn es blieb immer weniger reines Öl in einem 3-Literfläschchen zurück. Am Ende waren nur noch ein ¾ Liter Öl und 2 ¼ Liter Wasser in der Flasche. Das am Anfang ganz kleine Fläschchen mit einem Zehntelliter reinem Öl wurde mehrmals auffällig vergrößert. Natürlich wurde nach dem schweren Beginn auf der Insel auch Öl produziert. Die Menschen waren rechtschaffen und fleißig, und man konnte keine Anzeichen von Verwirrung erkennen. Einen großen Teil dieses wertvollen Öles nahmen sich aber die bösen Mächte. Als Zins und Zinseszins, wie sie sagten. Sie holten sich nicht nur das Öl, sondern was sie brauchten. In einem Witz der "Insulaner" hieß es damals: "Auf der Insel fahren die Züge so schnell, dass man das zweite Gleis, das übliche Nachbargleis, nicht sehen kann!" In Wirklichkeit hatten die bösen Mächte die Schienen auch weggenommen. Sie nahmen was sie brauchten und sie brauchten viel: Uran, Menschen und Schätze aller Art. Kein Wunder, dass das Öl in der Flasche so langsam zunahm. Wahrscheinlich am Beginn seiner Laufbahn um zu gefallen, später um selbst zu überleben, verschenkte der Häuptling auf der Insel das Öl auch fast noch in das westliche Festland. Man ließ es sich dort recht gut gefallen. Aber es gab noch einen anderen Grund, der immer größere Auswirkungen zeigte. Der Wille und nach und nach auch die Fähigkeit der fleißigen Menschen, gutes reines Öl herzustellen ließ immer mehr nach. Die Prophezeiung der Fee erfüllte sich.

Am westlichen Ufer war aus der 1-Literflasche Öl eine 7-Literflasche, voll mit bestem Öl geworden. Nur Spuren von Wasser konnte man darin feststellen. Das ärgerte den Häuptling auf der Insel. Er ließ seine Flasche mehrmals auffällig vergrößern. Eine 3-Literflasche konnte man gut an den entfernten Ufern sehen. Diese Größe stand ihm gut zu Gesicht. Überall verkündete er, dass nur feinstes Öl drinnen sei. Aber in Wirklichkeit enthielt sie nur ¾ Liter Öl und 2 ¼ Liter Wasser. Die von der Fee prophezeiten Wirkungen des Öl-Wassergemisches waren aber überall zu sehen und zu spüren.

Die gute Fee sah die Verwirrung auf der Insel, und sie verspürte Mitleid mit den dort lebenden Menschen. Auch die gute Fee hatte gegenüber den bösen Mächten an Kraft gewonnen. Sie war ja auch die Besitzerin des Wunderöles, von dem sie einst den Deutschen einen Liter vermacht hatte. Die Fee ließ einen Sturm aufkommen. Keinen Orkan, so wie es die bösen Mächte auch ganz gern gesehen hätten, der alles zerstört hätte. Nein, einen Sturm, gerade so groß, dass er die Mauer wegfegte und das Wasser, welches sehr falsch war, wegblies. Als der Sturm die ersten Teile der Mauer zu schütteln begann, besannen sich die Menschen auf der Insel ihrer ursprünglichen Kraft und sie halfen tüchtig mit, die Mauer wegzufegen. Wasser und Mauer waren nun verschwunden. Nur ein langsam verblassender Streifen trennte die ehemalige Insel vom westlichen Festland.

Die Menschen von der ehemaligen Insel konnten nun ungehindert ins westliche Land. Auch die Menschen aus dem westlichen Land konnten auf die Insel. Eigentlich ganz normal. Da war aber noch eine Hürde. Das Dreilitergemisch mit nur einem ¾ Liter Ölanteil wirkte unabhängig vom Willen der Inselbewohner weiter.

Die Menschen strömten von der ehemaligen Insel in Scharen in die westlichen Lande. Sie waren überall zu erkennen an ihrer überschwänglichen Freude. Aber auch zögernd, unsicher, unerfahren, unterwürfig, klein und immer auf den großen "Westmann" schauend konnte man sie sehen. Noch ein Erkennungszeichen. Es war ihr Fortbewegungsmittel, das sie liebevoll Trabi nannten. Überhastet wurde der Duft der großen weiten Welt eingeatmet. Nach so vielen Jahren der Abstinenz war das auch keinem zu verübeln. Dort konnte man im Öl schwimmen, meinte die überwiegende Mehrheit der Menschen! Und in die andere Richtung, von West nach Ost? Wer ging schon gern in den verwirrten Teil. Die westlichen Menschen gingen höchsten aus Neugierde, aber auch sehr ängstlich in das verwirrte Land, oder sie kamen, wenn es nichts kostete, oder sie kamen noch schneller, wenn sie dort ein Schnäppchen machen konnten (und können!).
Wie gesagt, eines hatte die Fee belassen. Auf der ehemaligen Insel waren in der 3-Literflasche 2 ¼ Liter Verwirrungswasser und nur ¾ Liter Öl geblieben; in deren Ergebnis ein Wohlstandsgefälle entstanden war. Dieses Wohlstandsgefälle war auch die Voraussetzung für Spekulanten jeder Art, daraus ein Schnäppchen in die eigene Tasche zu machen - einen zusätzlichen Gewinn, wenn möglich an der Steuer vorbei! Der Große Häuptling des westlichen Landes hatte sein Öl und das Öl-Wassergemisch von der ehemaligen Insel zusammen in eine große 10 Literflasche geschüttet und dabei die salomonischen Worte gesprochen:
"Keinem soll es schlechter gehen!"
Da die Insel zu seinem Land dazugekommen war, hatte sich dieses auf 144% vergrößert. Er hatte nun die 1o-Literflasche, deren Größe ihm natürlich auch gefiel, mit 7 ¼ Liter Öl und 2 ¾ Liter Verwirrung stiftendes Wasser am Hals.
Nun war guter Rat teuer, im wahrsten Sinn des Wortes. Auf der einen Seite hatte er sein Wort gegeben: "Keinem soll es schlechter gehen!", auf der anderen Seite hatte er nun die 10 Literflasche mit 23% schädlichem Wasser am Halse.
Die 10 Literflasche stand in einem großen, extra dafür neu gebauten Gebäude. Das Gebäude war so groß geworden, dass die Flasche noch tüchtig wachsen kann. Vorsorglich hatte der große Häuptling mit seinen vielen Gehilfen die Flasche an der Westseite etwas angehoben und einen Keil an dieser Stelle darunter geschoben, gerade so weit, dass die Flasche nicht kippte. Nun konnte und musste das Wasser, welches sich immer vom Öl trennte und sich auf dem Boden der breiten Flasche sammelte, überwiegend auf die Ostseite rutschen. Auch die kleinen Mengen an Wasser, die sich vorher auch schon in der 7 Literflasche befunden hatten, rutschen nun zum Teil mit auf die östliche Seite und umgekehrt. So steht die Flasche heute noch da. Und wenn sie nicht gestorben sind, ..., halt das Märchen vom Wunderöl hat natürlich ein Happy End.

Da immer noch Demokratie und Freiheit im geeinigten Lande herrschten, bat der große Häuptling alle Menschen guten Glaubens um Vorschläge. Auch die Fee sann nach, und da sie sich nicht so richtig entschließen konnte, bat sie die Weisen, mit denen sie sich recht gutstand, um Rat. Leider konnten sich die Weisen noch nicht einigen. Ein jeder sprach in Gleichnissen, wie das bei Weisen so üblich ist. Wie es in einer Demokratie so üblich ist, sollen sie laut und deutlich sprechen, damit sie ein jeder höre! Soll einer nach dem anderen heute seine Weisheit offen darlegen, wie die Zukunft Deutschlands sich für alle so entwickelt, damit nur gutes, reines Öl in der Flasche ist und dieses sich ständig vermehre und zum Wohl aller Menschen wirke!!!

Da stand Fritz ganz still in einer Ecke und sagte das gleiche, was er schon einmal dem Häuptling der Insel hatte ausrichten lassen. Damals hatte er es leise aber nachdrücklich gesagt und es selbst, sehr zum Missmut seiner Umgebung, auch getan: "Ich versuche es einmal mitarbeiten!" Arbeit, in deren Ergebnis alle nur den größten Nutzen haben. Er stand damals auf und verließ den Raum, in dem es vom vielen Reden muffig geworden war und nur noch nach abgestandenen Phrasen überalterter Chefs stank. Heute steht Fritz in einer Ecke und kann nicht einmal mehr das tun, was er immer wollte, nämlich nutzbringend arbeiten. Fritz ist für das neue Deutschland zu alt; Aber, er glaubt! - manchmal auch an Wunder.

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002 - . Brüderchen...


Brüderchen, komm tanz mit mir...

Schön, schön - schön war die Zeit - Quatsch mit Sauce, die Zeit ist schön und hält immer wieder etwas Angenehmes - Überraschendes bereit.

Auch, wenn in diesem Fall das Wunder meinem leiblichen Vater geschuldet ist, aber jetzt muss es heißen, unserem leiblichen Vater.

Einer allein kann ja auch gar nicht so durch die Welt laufen, wie ich, und siehe da, es findet sich ein zweiter. In diesem Fall - Brüderchen Hans.

Dank unserem Vater und noch mehr Dank unseren Müttern, die 1937/38 und 1944/45 solch prächtige Buben gemacht haben. Tausend Dank vor allem unseren Frauen, ohne die wir nicht das wären, was wir sind.

Die Welt ist schön, so wie sie geschaffen wurde, und ich bin erneut dankbar; auch wenn derzeit wieder einmal alles gegen die Schönheit in der Welt spricht. Beim Wetter sind wir uns fast einig. Es gibt gar kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlecht angezogene Menschen. Ich sage: es gäbe gar keine schlechte Welt, wenn wir alle sie nur schön machten. Mit schön meine ich nicht bequem, wie im Schlaraffenland, nur einfach gesund, natürlich und damit liebenswert für jedermann, der sie so sehen will und sich darin gut fühlt. Die anderen sind eigentlich nur zu bedauern. Die Welt wird schöner, das ist für mich so sicher, wie das ... Ozonloch! Ein Widerspruch? nein, gerade darin verbirgt sich die Lösung.

Dies sind die ersten Gedanken, nach der Begegnung mit meinem Bruder nach einer viel zu langen Zeit, in der das Lied von den "Königskindern" in vielerlei Hinsicht gesungen werden konnte. Die Zukunft wird es zeigen, ob etwas Liebe und etwas Zuwendung die Bruderliebe auf lange Zeit erhalten kann. Möge unser Zusammentreffen uns vor allem Kraft und Ruhe geben, die wir dann denen weitergeben, die es gern annehmen und wir uns alle gemeinsam freuen können.



Bei mir klingt es heute nach Mendelssohn und mit Heine:

Leise zieht durch mein Gemüt liebliches Geläute.
Klinge kleines Frühlingslied, kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus bis an das Haus, wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust, sag, ich lass sie grüßen.

Ich wünsche mir:

Wahre Freundschaft soll nicht wanken, wenn sie gleich entfernet ist,
lebet fort noch in Gedanken und der Treue nie vergisst.


Marta würde wohl singen aus der Oper Hänsel und Gretel:

Brüderchen komm tanz mit mir, beide Hände reich ich dir: ...

und:
Jetzt kommen die lustigen Tage, ...


dem füge ich allerdings recht ungern hinzu, leider kommen auch andere; wollen wir nur immer das Beste daraus machen.

Bestimmt wird die Zukunft uns Zeit und Muse geben, um mit etwas Abstand möglichst viele Resonanzen und Harmonien zu entdecken und das Beste daraus zu machen.


Was war es nun, das Fritz wiederum auf die Spuren seinen Vaters brachte? Zuerst eine ganz natürliche Neugierde. Halt, neugierig sind ja bekanntlich nur die Frauen, bei uns Männern ist es immer nur der Wissensdurst. Dann war da die frühere Anklage, Fritz wolle ja nur in den Westen. Er hatte damals spontan darauf geantwortet:

(..., dass der Mann, welcher diese Behauptung machte - möglicherweise auch gar nichts anders machen konnte, da er nun mal so geprägt war ...),

"Ich kann mir aber vorstellen, dass mein Vater auch meine Hilfe brauchen könnte. Wissen sie, ob er krank, gebrechlich, hilfsbedürftig, arm oder verstoßen und missverstanden ist? Ich könnte ihm womöglich helfen oder auch nur eine Stütze sein!"

Seit diesem spontanen Ausspruch hatte man Fritz scheinbar in Ruhe gelassen. Jetzt war aber ein Bruder da und Fritz überfiel wieder dieser Wissensdurst. Fritz wird eine Jahresleiter zu jeweils 12 Monaten aufstellen und alles, was er über seinen Vater erfährt, darin einordnen. Am Ende will Fritz etwas klarer sehen. Wann das einmal sein wird, kann man heute nicht sagen.

Aber nun zu Vaters Spuren. Vater hatte eine Freundin, eine gute Freundin in Bingen, denn sonst wäre da ja nicht ein Bruder. Also auf nach Bingen und nach Vaters Fußspuren sehen.

Da kamen am Anfang gleich wieder Zweifel auf. Waren da doch in der Vergangenheit so viele negative Erfahrungen von Fritz gemacht worden. Diesmal war alles anders. Aus anfänglicher Skepsis wurde gegenseitige Zuneigung und Freude auf allen Seite. So ist es richtig, denkt Fritz, die Welt soll sich freuen und Fritz will, dass sich alle mit ihm freuen. Diesmal scheint es so gekommen zu sein. Hans, sein Bruder, soll anfangs recht skeptisch geschaut haben, als er folgenden Brief in den Händen hielt:






Eppendorf/Erzgebirge, ...


Sehr geehrter Herr Koch,

Mit diesen Zeilen hoffe ich, eine Freundschaft ins Leben zu rufen, welche mir viel bedeuten würde.

Es war schon seltsam, dass ich vor etlichen Jahren auf eine Cousine gestoßen bin. Gerda Mark, geb. Müller ließ mich vor kurzem wissen, dass Sie Herr Koch und ich eng verwandt sein sollen. Ich glaube einfach daran, dass dies so ist und für mich ein Anlass, zu Beginn das "DU" anzubieten. Wenn ich richtig vermute, so sollte ich einige "Monate" älter sein.

Also noch mal von vorn:

Lieber Hans,


Fritz, mit Familiennamen Ludvin, grüßt Dich herzlichst. Wenn ich es von Gerda richtig verstanden habe, so haben wir einen gemeinsamen Vater. Mein Vater ist:

Herr Fritz Ludvin, geboren am 06. August 1910, wahrscheinlich in Schleiz.

Meine Mutter ist seit längerem verstorben, und von meinem, bzw., unserem Vater weiß ich wenig.

Wenn dies stimmt, was Gerda mir mitteilte, dann sind wir ja väterlicherseits "Brüder".

Ich hoffe, es stimmt, und es würde mich überaus freuen, wenn Du auch Interesse an einem gegenseitiges Kennen lernen hättest. Meine Frau und ich, wir würden uns sehr freuen.


Da ich meinen Vater kaum kenne, - nicht weiß, ob er groß oder klein, dick oder dünn war, so freue ich mich besonders darauf, einen leiblichen Bruder zu haben; und ich habe den Wunsch, Dich zu sehen. Wenn Du auch daran interessiert bist, dann sollte dem nichts im Wege stehen - so denke ich.




Wo wir uns treffen, ist mir gleich. Wir laden Dich und Deine Familie ganz herzlich in unser Erzgebirge ein. Im Haus ist genügend Platz. Wir kommen auch gern zu Euch, es kann aber auch an einem andern Ort sein. Auf jeden Fall freuen wir uns auf ein Zusammentreffen.

Soviel für heute.

Meine Frau Marta und ich, wir schicken liebe Grüße an den Rhein. Auch herzliche Grüße unbekannterweise an Deine Familie.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ein Zusammentreffen möglich wäre.

Dein Bruder väterlicherseits, Fritz
...

Hans ging mit diesem Brief zu seiner Mutter - und die bestätigte es, zugegeben auch mit etwas Zittern im Herzen. Hans hatte seinen richtigen Vater auch nicht gekannt. Natürlich reagierte er, genau wie Fritz vor vielen Jahren; " Was soll denn das, ein Witz, wenn es wahr ist, dann ist es der Erzeuger und was soll das"! Da war aber - wie bei Fritz - der Wissensdurst - und eben ein Brüderlein im schönen Erzgebirge. Seine Mutter gestand ihm alles und der Familienzusammenführung stand nichts mehr im Wege.

Das erste Abtasten auf neutralem Boden war gut verlaufen und nun kam das erste Kennen lernen. Leider nur sehr kurz, aber das wiederum findet Fritz gar nicht so schlimm. Er wollte ja erst einmal auf Vaters Spuren laufen. und das tat er, gemeinsam mit seiner Frau und Lore, der lieben Freundin seines Vaters.

Der erste Abendspaziergang am Vater Rhein war eine erste Tuchfühlung, ein erstes Herantasten - und die Ruhe tat gut.

Am kommenden Tag machte die Großfamilie, also Fritz und Marta, Freundin Lore, Hans und dessen liebe Frau Ina, Mainz unsicher. Diese Stadt verdient es, in Ruhe studiert zu werden. Es war eine schöne Einführung die vor allem Hans gab. Ein vorzügliches Mittagessen in historischer Umgebung rundete den Vormittag ab. Der Nachmittag verlief recht harmonisch bei Kaffe und Kuchen. Am Abend wurden noch die Kinder von Brüderchen Hans neugierig und es ist zu hoffen, dass diese Neugier noch recht lange anhält, und uns allen noch viele gemeinsame und schöne Stunden verleben lässt. Neue Horizonte könnten sich auftun.

Bingen wurde am nächsten Tag zu einer wahren Fundgrube.
Fritz hatte sich früher erinnert, dass er 1941/42 trockenen Fußes über den Rhein gegangen war. Nun war es Freitag, der 28. März 1997. Lore, seine Frau Marta und Fritz erkundeten Bingen. Fritz war etwas aufgezogen, wie sollte er auch anders seine Nervosität verbergen. Es gelang ihm so einigermaßen, und erwartungsvoll begann der Tag mit einem guten Frühstück. In Bingen fand das Auto mit Lores Hilfe fast von allein zur Burg Klopp; und nun ging es zu Fuß auf Erkundung. Fritz war es egal wohin. Er war ja schon überall einmal gewesen und nun hoffte er, dass sich in Ihm irgendwo, irgendwann etwas regte. Das Wetter war sehr windig und der Komet Hale-Bopp mit seinem schönen Schweif, den er am Vorabend so Gedankenversunken betrachtet hatte, als er in Kempten einen Abendspaziergang am Rhein machte, war bestimmt ein gutes Omen. Bingen, eine Stadt mit viel Reiz, tat sich ihm auf. Goethe war hier und Fritz spürte, dass Goethe schon einmal seinen Weg gekreuzt hatte. Er liebte Schiller mehr als Goethe, schon wegen dessen revolutionären Ideen, die bei Fritz gleich nach denen von
Dr. M. Luther kamen. Aber Goethe war früher auch schon immer dabei, Fritz spürte es ganz deutlich. Etwas seltsam war es doch, als er die Burgmauern erblickte, und sich nicht so recht zu erinnern vermag, und doch wusste, dass er schon einmal hier gegangen war. Er lief recht ziellos umher. Alles war so schön. Der Blick auf das "Binger Loch" mit dem Zusammenfluss von Nahe und Rhein mit dem Mäuseturm. Als er etwas später im Bergfried stand und wieder hinüber zur Burg Ehrenfels blickte, spannte sich ein Regenbogen - nicht wie gewohnt am Himmel, sondern - zwischen dem Rhein-Nahe-Eck und der Burg Ehrenfels. Eine grandiose Erscheinung, und alle waren erstaunt. Fritz aber war auch etwas andächtig geworden; natürlich eine Wetter Erscheinung, ein Zufall, wie der Komet am gestrigen Abend, aber eben doch zum richtigen Zeitpunkt für Fritz.

Jetzt sah er über Bingen hinweg, betrachtete den Mäuseturm und als er hinter die Burg lief, dorthin, wo sie zum Rhein hinab sieht, da rief Fritz schnell seine Frau und sagte, hier stand ich früher in einer eigentümlichen Situation. Zu dieser Behauptung hatte ihm die Erinnerung an ein altes Foto verholfen. Dieses zeigte Fritz auf diesen Burgabsatz. Die eigentümliche Situation war, dass Fritz eine viel zu große Uniform und Stiefel, die ihm bis zum Po reichten, trug. Wahrscheinlich war die heutige Burg nach 1938, dem Geburtsjahr von Fritz, einmal vom Arbeitsdienst besucht worden, denn seit 1897 diente sie als Stadtverwaltung, und Fritz wurde hier derart stolz dekoriert. Nun reihten sich Ereignisse an Ereignisse, die Fritz immer wieder in seine Kindheit zurückversetzten. Auf der anderen Seite der Burg war eine kleine Treppe zu einer Aussicht. Als er oben stand, waren da zwei kleine Tritte, so abgenutzt, wie die waren, da musste er ja schon darauf gestanden haben. Welcher kleine Bub hätte sich da nicht darauf gestellt.

Nun ging es in den Bergfried. Dieser Turm ist recht schön, von innen als auch von außen; und vor allem auf dessen Dach. Da stand nun Fritz, nachdem er sich vom Keller bis auf dieses Dach auf Erkundung gemacht hatte. Alles war so schön alt und die letzten Stufen bis zum Ausstieg auf das Dach müssten fast so alt sein wie Fritz, denn die Farbe an der Wand des ziemlich engen Aufstieges möchte wohl so an die knapp 60 Jahre auf dem Buckel haben. Nun stand er auf dem Dach und saugte die Landschaft in sich auf. Herrlich, trotz des starken Windes. Gerade er machte, dass Fritz sich wie ein Bezwinger vorkam. Auf einmal stand ein kleiner Bub neben ihm. Fritz schaut - und ist überrascht. So alt sollte er damals gewesen sein. Er fragt, und der Bub antwortete etwas verwundert, dass er schon 10 Jahre alt sei. Fritz ist trotzdem weiter überrascht. Er steigt langsam wieder hinab und beginnt nun erst, alles etwas genauer zu betrachten. Zuerst war er nur so ziellos umher gerannt. Da waren so viele interessante Dinge, die nun wiederum Fritz fesselten.

Im Keller, oder im Turmverlies, egal was es nun einmal war, sehen einen die Knochen, Grabsteine und andere Dinge aus vorchristlicher Zeit an. Es scheint, als ob Heinrich der IV. heimlich aus einer Ecke schaut. Etwas für Kenner und Fritz ist schnell wieder oben. Da stehen schöne Renaissance Möbel, Bilddokumente, Steinschlossgewehre und ein altes Foltergerät. Das chirurgische Instrumentarium eines römischen Arztes sollte an so einem Tag gar nicht richtig gewürdigt werden, aber Fritz kommt wieder, das weiß er genau.
Als Fritz von Dach des Burgfriedes nun doch recht bedächtig und mit Interesse herabsteigt, sieht er den Turmwart. Das ist der, welcher heute den Eintritt kassiert. Fritz sieht sich den Mann an und kommt gleich mit ihm ins Gespräch. Er ist zu Beginn wortkarg, macht aber einen recht vertrauten Eindruck. Ja, er ist ein alter Bingener und da hält es Fritz nicht mehr.

Natürlich war 1941/42 der Rhein zugefroren und die Straße über den Rhein hatte es wirklich gegeben, bestätigte er. Die Fährleute hatten sie natürlich auf Anraten der Stadt angelegt, aber die kleine Einnahme für den Übergang war bestimmt auch nicht zu verachten gewesen. Es war das Zehnpfennigstück, welche Fritz sich aufgespart hatte.

Er wurde damals von der Mutter nach Rüdesheim geschickt und er hatte die 10 Pfennige in Stab-Lakritze angelegt, und da er dadurch nicht auf dem Weg gehen durfte, er hatte ja das Wegegeld aufgegessen, so kam er mit zerschundenen Knien und zerrissenen Hosen nach Hause. Bingen ist nicht groß, und trotzdem musste Fritz in der Nähe der Fähre gewohnt haben, denn sonst hätte ihn Mutter doch nicht allein weggelassen. Es wird sich später zeigen, saß es wirklich so war.

Der Turmwart sagte dies und das aus der alten Zeit. Er kannte auch noch die beiden Kasernen des Arbeitsdienstes und bestätigte, dass unter der alten Kaserne ein Spielplatz gelegen habe. Fritz konnte sich nämlich an einen Balancierbalken erinnern. Es fügte sich alles langsam zusammen. Der Turmwart fragte Fritz nach dem Namen seinen Vaters. Er kannte ihn nicht. Aber er kannte einen anderen Namen. Fritz hatte immer einen Namen im Ohr, wo er in Bingen gewohnt haben sollte. Familie Lorch. Er hatte aber die Hoffnung aufgegeben, da er vor einigen Jahren merkte, dass dies der Name eines Ortes am Rhein war. Jetzt bestätigte der Turmwart, dass in einer Straße, parallel zum Rhein, zur damaligen Zeit eine Familie Lorch gewohnt hat. Fritz erfasste eine innere Unruhe. Der Turmwart musste sich etwas wundern. Während er das eine und das andere erzählte, schaute Fritz etwas abwesend zum Fenster hinaus.

Dass der Burggraben noch Interessantes birgt und der Brunnen auf der Burg so 400 nach Christi gegraben wurde, 52 m tief ist und möglicherweise einen unterirdischen Gang noch nicht freigegeben hat, das hat Fritz nicht mehr so richtig gehört. Was heißt nicht richtig gehört. Er hörte alles, nur war er in Gedanken bei seiner Wohnung. Da war ein Hinterhof, so in grün, vor allem dunkel, da goss ein Mädchen Blumen und so zum Schabernack dem Fritz das Wasser auf den Kopf. Da war eine einzelne Stube, die Fenster zu ebener Erde, und die Leute gingen immer direkt am Fenster vorbei. Da sagte Mutter, wenn es auf Reisen ging. Mach schnell Fritz, stehe endlich auf, ich kann den Zug schon hören. Das zog, und Fritz sprang aus dem Bett, oder war es nur das große Sofa an der Wand? Fritz schlief fest und Mutti hatte ihm eingeschärft, dass er es ja nicht verschlafen dürfte. Morgen früh soll die Reise wieder etwas länger werden; zur Oma und da muss man früh aufstehen und darf den Zug nicht verpassen. Klopf mit der großen Fußzehe sooft an das Bett, wann du aufwachen willst, und du wirst sehen, dass es klappt. Wahrscheinlich hatten wir keinen Wecker. Fritz weiß es nicht mehr. Er hatte auch tüchtig mit der großen Fußzehe an das Bett geklopft und schlief. Ihm träumte, dass er auf der Loreley stand, nein er saß auf dem Geländer und unten fuhr dieser wichtige Zug ab. Mutti hatte es doch gar so wichtig gemacht und nun hatte es Fritz doch verpasst. Er saß auf diesem Geländer und sah, wie der Zug sich in Bewegung setzte, wie dicke Rauchwolken aus der Lokomotive stiegen und er immer schneller wurde. Da fuhr der Zug und da war ja auch die Mutter darin, niemand hielt ihn mehr fest, was die Mutter doch immer tat wenn er, wie so oft, auf einem Geländer saß und diesmal so hoch oben auf der Loreley! Fritz konnte nicht anders, er musste zu diesem Zug und in seiner Verzweiflung sprang er hinunter zu diesem Zug.

Es tat nur etwas weh, und als der die Augen öffnete ging soeben das Licht an und Mutter sah, wie Fritz neben dem Bett lag. Komisch, es war aber wirklich Zeit zum Aufstehen, sagte die Mutter, und die Reise ins Erzgebirge zu Oma und Opa konnte rechtzeitig beginnen.

Fritz hörte noch viel, was der alte Turmwärter sagte:

Die heilige Hildegard von Bingen, wieder so etwas Komisches, nicht nur, dass sein Vater namensgleich mit Vor und Zunahme war und dieser an den heiligen Ludvin erinnerte, hieß doch seine Mutter Hildegard. Aber diese heilige Hildegard von Bingen, diese
Äbtissin, Mystikerin, war Naturwissenschaftlerin, Predigerin und Kirchenpolitikerin ist, wie die Mutter von Fritz, keine Schweigerin. Da ist der Mäuseturm, in dem der herrschsüchtige und geizige Bischof Hatto aus Mainz von Mäusen aufgefressen worden ist. Da ist das Wahrzeichen, das Wirtshaus "Zum Schiffchen", und bei einem Wirtshaus soll Fritz gewohnt haben. Die Basilika St. Martin, Fritz will auch in Zukunft noch etwas entdecken und lässt es an seinem Ohr vorbeigehen. Die Kapuzinerkirche, auch sie muss warten, denkt Fritz. Der alte Kran, ja und da war doch ein Zollhaus, alles so schön alt, an dieser Stelle hört Fritz wieder aufmerksam zu. Er erinnert sich, da war so ein langer Arm und alles so schön alt. Und die schöne Rochus Kapelle, Sie wird Fritz noch zu Gesicht bekommen. Die Drusebrücke. Es ist die zweite Brücke über die Nahe und Fritz hat schon von ihr geschwärmt. Da war doch etwas mit dieser Brücke. Leider konnte Lore Fritz da nicht ganz zustimmen aber jetzt hörte er es noch mal. Da war wirklich eine Brückenkapelle in einem Brückenpfeiler, die sogar vergrößert wurde.

Der Turmwart hatte geendet und Fritz riss sich von seinen Gedanken los.

Fritz wünschte dem Burgwart zwar schöne Ostern und lange Gesundheit, und alles Gute, verließ ihn aber doch etwas zu schnell.

Gleich zu Fuß und schnell sollte es gehen. Da brachte ihn Lore recht schnell wieder zur Besinnung. Erst ein Stück mit dem Auto und schön langsam...!

Zuerst zur neuen Kaserne, da war nichts mehr aus der alten Zeit zu sehen. Am Rhein-Nahe-Eck war alles in Stein gefasst. Wenn Fritz als Bub hier stand, zierte ein kleiner Zaun aus Birkenstämmen diese Ecke so schön.

Und dann ging es doch diese Straße entlang. Fritz ging vornweg und stand vor dem Haus mit dem Hinterhof. Der war gar nicht dunkelgrün sondern hell und in gelb gehalten, aber die Fenster zur Straße waren zu ebener Erde, die Eingangstür zugemauert, oder war es das Nebenhaus? Ja, in dieser Straße war es - und da hörte er auch diesen Zug, nur fuhr er heute schneller und keuchte nicht so wie damals.
Das Goethehaus weckte so manche Erinnerung in Fritz. Hier hatten Lorschs gewohnt hatte der Turmwärter gesagt. Nun spazierten sie weiter und kamen an diese alte Kaserne. Da sah es Fritz, das große Eingangstor - und wo war der Spielgarten?

Jetzt war es aber höchste Zeit zum Mittagessen, und bei Lore wartete ein leckeres Mal. Auch merkte Fritz, dass der Vormittag doch recht in die Beine gegangen war und so wurde der Nachmittag mit dem Auto verbracht. Die Fahrt nach Bad Kreuznach wurde im Spaziertempo zurückgelegt, natürlich über die Drusebrücke mit der Kapelle in einem der Pfeiler; und die schönen Salinen erweckten wieder alte Erinnerungen.
Am Abend ließen alle ihre Gedanken baumeln und Fritz zeigte Videos aus der unmittelbaren Vergangenheit, aus dem Erzgebirge.

Der kommende Tag begann mit einem Bummel - wieder am Rhein in Bingen. Diesmal in eine andere Richtung. Und da war es klar: nicht nur, dass nun der Spielplatz vor den Augen von Fritz auftauchte und dahinter das große Tor der alten Kaserne zu Fritz herüberschaute. Fritz wusste - hier wird er gern wieder herkommen.

Mit den Rädern einmal entlang der Nahe und des Rheines und dann am Abend ein Tänzchen auf einem der schmucken Fahrgastschiffe, ergänzte Marta mit leuchtenden Augen.

Und der Duft der Weinberge! Fritz hatte solch einen Duft an der Elbe erfahren und dort immer gesagt, so sei es auch am Rhein gewesen. Nun will er ihn auch tüchtig einatmen. Schon am Nachmittag folgte ein schöner Spaziergang auf den Rochusberg, und da lagen sie, die herrlichen Weingärten. Natürlich noch in ihrer eingeschlagen Art, noch nicht richtig aus dem Winterschlaf erwacht, aber Fritz glaubte, schon die ersten Regungen im Weinstock zu verspüren. Auf dem Berg genossen alle die herrliche Aussicht und erfreuten sich an der weithin sichtbaren schönen Wallfahrtskapelle.

Am Abend ging nicht nur dieser schöne Tag zu Ende, sondern auch diese Wiedergeburt. Im Vater Rhein ging die Sonne unter, und da sah ihn Fritz, den Nibelungenschatz. Als wolle er aus dem Rhein aufsteigen, so markierte die Sonne das Rheinufer, das dunkle Gold der Kelche und Rüstungen der Nibelungen; und Fritz glaubt an den Rheinschatz. Nur denkt er anders, als all die, welche sich da schon Gedanken gemacht haben. Er schätzt den Tronjer, wie Hagen Tronje genannt wurde, als einen Mann ein, der von derber Art war, so wie die Hermundoren aus den Bergen des Miriquidi. Als Zweitgeborener wird er sich einem Tross von Etzel angeschlossen haben und durch seine Kraft und Größe ein anerkannter Wächter geworden sein. Er schützte nicht nur seinen Herrn, sondern auch das Reich, und er wird mit bäuerlicher Schlaue nicht die tiefste Stelle im Rhein genommen haben, als er den Schatz versteckte, im Gegenteil, eine breite Stelle, die gut zugänglich war und wo man mit wenigen Knappen den Rhein anhalten und die Gruft mit einer Platte und/oder einem Stein gut verschließen konnte. Dann wird der Rhein diese verwerfliche, oder doch gute Tat, je nach Betrachtungsweise, wieder bis zum heutigen Tag unsichtbar gemacht haben, und die Knappen werden bestimmt den nächsten Feldzug nicht überlebt haben - wie ich mir den Tronjer vorstelle. Mit diesen Gedanken zum Schatz der Nibelungen im Rhein ging eine schöne Suche auf Vaters Spuren zu Ende und wird - so ist zu erwarten - neue Anfänge, neue Maßstäbe setzen.




F.W. 3/1997






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