Storys von Fritz. / stories from Fritz /


Es schreibt sich so zusammen - über Fritz, seine Heimat, aus ganz alten Zeiten und Fritz wagt einige Gedanken in die Zukunft.


70 Jahre teils heiter teils wolkig.

Heimatfest

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........E-Mail: ludwig.eppendorf@freenet.de

Letzte Änderung am 22.7.2011

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"70 Jahre teils heiter, teils wolkig, aber meist niederschlagsfrei"



Heimatfest





Lang, lang ist es her. Nebengedanken bei einem Heimatfest im Erzgebirge.

Das Heimatfest von 2. - 10. Juli, anno 2011 - ein wahres Mammutprogramm. Sehr viel wurde da hineingepackt und die Organisatoren um den allgemein beliebten Bürgermeister hatten gute Arbeit geleistet. Der Arbeitsaufwand war groß und das Ergebnis war gut. Man kann nur sagen: Dank allen Organisatoren und allen Mitwirkenden.

Wer am Straßenrand oder von einem begehrten Fensterplatz aus beim Höhepunkt, dem Festumzug zuschaute, dem kamen zwangsläufig Gedanken und die gingen oft mehr oder weniger in die Vergangenheit, wenn die einzelnen Bilder aus der Vergangenheit vorüber zogen.
Als ich die Soldaten des 1. Weltkrieges sah, kam mir ein Gedanke, an meinen Großvater, der damals in Russland kämpfte und mir später viel darüber erzählte, nicht gewollt, mehr so nebenbei, aber ich habe mir viel davon gemerkt. Dabei kam mir aber ein anderer Gedanke. Seine Frau, meine Großmutter, "kämpfte" in dieser Zeit zu Haus in Heidelberg, heute einem Ortsteil von Seiffen im Erzgebirge. Sie hatte den Gasthof Heidelberg über diese schlimme Zeit geführt und vor allem erhalten.
Die Großmutter erzählte mir so eine Randgeschichte.

Einmal in der Woche kam ein Bergmann am Vormittag in den Gasthof um sich ein Frühstück zu leisten.
Er habe immer das gleiche Gedeck bestellt.
Ein kleines Bier, einen Wacker Brot und ein Stück Rotwurst.
Dabei zeigte sie mit den Fingern so ein Stück von 10 cm an. Ich nehme an, es war eine der früher üblichen dünnen Blutwürste, dies alles habe dem Bergmann nur Pfennige gekostet. (Zwischen 5 und 15 Pfennige, ich habe die genaue Zahl vergessen.)
Da kam mir vor einigen Jahren ein Wanderer über den Weg, dessen Augen sofort aufleuchteten, als ich Ihm diese Episode erzählte. Er antwortete darauf:
"Das waren Zeiten, heute müsste er dafür 5 Euro auf den Tisch legen.
Ich hatte ihm nur die halbe Wahrheit gesagt. Mir ist bekannt, dass ein Bergmann während des 1. Weltkrieges einen Stundenlohn von ca. 86 Pfennigen hatte. (siehe Jahrbuch der Statistik) Das Frühstück hatte somit 17% seines Stundenlohnens gekostet. Ein Bermann der heute 29 Euro Stundenlohn haben könnte würde für ein ähnliches Frühstück mit einem Preis von 5 Euro auch 17 % seines Stundenlohnes ausgeben.
Natürlich nicht zu vergleichen, aber da mein Bekannter weiter sprach, kam ich doch ins Grübeln. Er sagte mit einer anerkennenden Geste zum Schluss:
"Ja, das waren noch Zeiten!"
Ich wurde stutzig, aber ich schwieg, vor allem darum, da ich nicht als Dummkopf und Querulant dastehen will, denn am Nachbartisch blickte man wohlwollen auf meinen Bekannten.

Zwei Kleinigkeiten zum Schmunzeln.
Von schön geschmückten Wagen, der unsere ehemalige Druckerei repräsentierte, wurde mir die Kopie eines Wochenblattes und Anzeiger unserer ehemaligen Drückerei herunter gereicht - 100 Jahre alt, A3 + 4 cm.
Ich finde es aufregend und interessant so ein frühes Dokument aus meinem Heimatort in den Händen zu halten.
Mein erster Gedanke: "Damals war ja alles anders."
Ich studiere darin den Fahrplan unserer ehemaligen "Bimmelbahn". Ich freute mich über den Wetterbericht für den 6. Juli 1911, er zeigte an: "Wechselnde Winde, heiter, warm trocken".
Ich staune, heute ist ja ein ähnlich schönes Wetter, das können die doch damals nicht geahnt haben.
Ich sah viele Bekanntmachungen, aus Eppendorf und dem Sachsenland, sehr interessant wie aus Weinbergen in unserer Umgebung Obstpflanzungen wurden - weiter Geschichten, allerlei Neuigkeiten, etwas aus dem Ausland und auf der letzten, der 4. Seite, Werbung.
Auf eine Anzeige der Druckerei möchte ich "Ketzerischerweise" am Ende eingehen.
Auf der ersten Seite sprang mit eine kleine Anzeige der
"Kaiserlichen Ober=Postdirektion" ins Gesicht.
Sie lautete:

" Anschlüsse an das Fernsprechnetz,
die im kommenden Herbst hergestellt werden sollen, sind spätestens bis zum 1. August bei dem zuständigen Post= oder Telegraphenamte anzumelden.
Chemnitz, den 25. Juni 1911.
Kaiserliche Ober=Postdirektion."


Warum mir das ins Auge sprang? Ob das die Telekom heute auch so schnell schafft?
Zwischendurch, vor vielleicht 50 Jahren, musste man viel länger auf einen Telefonanschluß warten und ich habe 17 Jahre auf meinen neuen Trabant gewartet. Aber das man 1911, vor 100 Jahren, nur ca. drei Monate auf einen Telefonanschluß warten musste ringt mir im ersten Moment ein Schmunzeln ab.

Auf der letzten Seite lässt die Druckerei eine anscheinend wichtige Änderung Ihrer "Arbeitszeiten" anzeigen.

"Während der Sommermonate
ist mein Geschäft
Sonntags von nachm. 2 Uhr an
geschlossen.
H. A. Schlesinger."

Da kam heute vor ca. 20 Jahren ein junger, dynamischer Mann aus "Köln" durch unseren Ort gelaufen und sagte jedem, der ihn zuhören wollte - und es waren viele die ihm mit Hingabe zuhörten:
"Ihr müsst erst einmal arbeiten lernen!"

Ja, wenn die im Osten schon vor 100 Jahren am Sonntagnachmittag Ihr Geschäft schließen, dann müssen die wirklich erst einmal arbeiten lernen, so wie wir es in den westlichen Ländern von Deutschland tun.
Dies dachte dieser junge, dynamisch wirkende Mann aus "Köln" bestimmt nicht, aber es sollte ganz bewusst so bei uns ankommen - und ich kenne wirklich einen oder auch mehrere, die in der damaligen Zeit nicht gern gearbeitet haben.

F. W. 7/2011







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F.W. 3/1997



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