Storys von Fritz. / stories from Fritz /


Es schreibt sich so zusammen - über Fritz, seine Heimat, aus ganz alten Zeiten und Fritz wagt einige Gedanken in die Zukunft.


70 Jahre teils heiter teils wolkig.

Auf Mutters Spuren---
Fortsetzung folgt!
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Letzte Änderung am 14.05.2010

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"70 Jahre teils heiter, teils wolkig, aber meist niederschlagsfrei"



Auf Mutters Spuren---




(Auch die Schweiz ist schön.)


Fritz könnte von der Entdeckung der Stätten seiner Kindheit einen abendfüllenden Roman schreiben. Er ist aber kein Schriftsteller. An dieser Stelle soll aber der Mutter von Fritzchens Frau Marta gedacht werden.
Die Mutter war die Liebe in Person. Zu jedem hatte sie ein freundliches Wort und man kam gern in die Pfarrei. Sie verstarb viel zu früh. Ein Verlust, der uns alle tief ins Herze traf.


Nach der Stunde Null fanden wir ein Tagebuch unserer Mutter. Mit Herzklopfen öffneten wir es. Marta konnte die schöne altdeutsche Schrift der Mutter recht gut lesen. Fritz hat alles mittels seines Computers aufbereitet und nun entstand der Gedanke, auf Mutters Spuren zu wandern. Sie hatte ihrem Tagebuch anvertraut wie es ihr erging, als sie für ½ Jahr in der Schweiz in einer Pension als Hausmädchen lernte. Neben vielen interessanten Erlebnissen, vielen Kochrezepten - Fritz hat gleich ein Rezeptbuch der Mutter geschrieben - ist eine Zweitagewanderung auf den Säntis so schön beschrieben, dass wir sie gern nachvollziehen wollten.

Die Schwierigkeit beginnt aber ganz wo anders. Nirgends hat Mutter etwas über den Ort geschrieben, in dem sie in der Schweiz lebte. So wurde fleißig recherchiert. Nur ein Name der Pension war vorhanden. "Alpenblick". Schwer zu sagen wie viele Menschen in der Schweiz uns halfen, diese Pension zu finden, in der unsere Mutter 1918 gelernt hatte. Es musste in der näheren und weiteren Umgebung des Säntis sein. Ein Inhaber der Pension Alpenblick in Schwägalp suchte bei alten Leutchen nach Hinweisen. Ortspfarrer verschiedener kleiner Gemeinden versuchten zu helfen. Ganz herzlichen Dank dem Bischof von St. Gallen. Er hat auch versucht, uns zu helfen. Eines Tages kam aus Wil eine Nachricht, dass die Pension in Hosenruck gewesen sei, aber nicht mehr existiere. Wir hatten uns schon damit abgefunden, als der Ortspfarrer von Hosenrock schrieb. Er teilte uns mit, dass der Alpenblick jetzt ein Altersheim sei. Es zog uns an die Stätte des Wirkens unsrer Mutter. Sie hatte immer so hervorragende Suppen und Soßen zubereitet und ab und zu ganz leise gesagt: "so hab ich es in der Schweiz gelernt". Wir schrieben an das Altersheim und an ein Hotel in dessen Nähe. Und eines Tages fuhren wir, immer noch mit unserem Zweitakter, zu Mutters ehemaliger Wirkungsstätte.

Schon die Fahrt war ein einzigartiges Erlebnis. Die fremde Gegend beeindruckte uns. Die Augen wissen gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. Dann der erste Blick auf die Berge der Schweiz. Faszinierend! Den Ort Hosenruck schien niemand zu kennen, aber den Nollen kannte jeder. Nun war es leicht, den Ort zu finden. Auf dem Nollen lag Hosenruck und im Hotel Nollenpark fanden wir herzliche Aufnahme. Ein Erlebnis ganz besonderer Art nahm seinen Anfang.

Mutters Zeilen hatten wir im Kopf und auf dem Papier. Die Wanderung auf Mutters Spuren war ganz anders als Mutter sie gemacht hatte. Das Wichtige für uns war aber, dass sie überhaupt stattfand. Wir versuchten, mit Mutters Augen zu sehen. Mutter fuhr in einer kleinen Gruppe von Wil mit dem Zug nach Appenzell. Dort besuchten sie das Denkmal des Säntiswartes. Danach ging die Wanderung los. Zuerst hinauf zum Schäffler. Dort wurde übernachtet. Am nächsten Tag ging es über das blaue Eis zum Säntis. Dort folgte eine weitere Übernachtung. Maultiere waren ihre ständigen Begleiter. Der Rückweg wurde über die Mäglisalp gemacht.

Wir fuhren zuerst zum Denkmal des Säntiswartes. Es stand wirklich noch auf dem Friedhof. Zwar nicht in der Mitte, wie es Mutter schrieb, sondern an einer Mauer. Aber wir verweilten im stillen Gedenken. Dann ging es zur "Falschen" Pension Alpenblick in Wasserauen. Wir bedankten uns für die viele Mühe, die man sich gemacht hatte, und man war von unserem Vorhaben begeistert. Wir unternahmen einen Abstecher zum Schäffler und planten nun den Aufstieg zum Säntis für den nächsten Tag.

Wir starten wieder von Wasserauen aus. Früh 6 Uhr begann unser Aufstieg. Wir gingen über die Mäglisalp. Auf der gegenüberliegenden Seite dieses großen Tales sahen wir immer den Weg, welchen unsere Mutter genommen hatte. Es war ein wunderbares Erlebnis. Ein Gefühl - wir empfanden es wie einen Weihnachtstraum. Vor uns der ansteigende Weg. Gegenüber der Weg unserer Mutter. Bis zur Mäglisalp war es ein schöner Spaziergang. Wir ließen uns die frische Buttermilch gut schmecken. Vorsorglich erkundigten wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Das war aber eine Selbstverständlichkeit. Die Wirtin konnte ja nicht wissen, dass dort, wo wir herkamen, nichts eine Selbstverständlichkeit war. Auch hatten wir alles für eine Übernachtung bei uns, was den Rucksack sehr schwer machte. Der weitere Aufstieg zum Säntis ließ uns fast unsere Gedenkwanderung etwas vergessen. Zu stark wirkte diese Bergwelt auf uns. Dazu kamen auch Zeiten der Erschöpfung. Mit über 50 Jahren, und derartige Wanderungen nicht gewöhnt, waren wir nicht in bester Kondition. Aber mit der reichlich vorhandenen Zeit konnten wir viele Pausen machen, und der Weg wurde dadurch wirklich zu einem Genuss. Auf dem Gipfel empfing uns der Touristenstrom. Wir wussten von der Bergbahn, waren aber trotzdem überrascht, als unsere gewünschte Einsamkeit so jäh unterbrochen wurde. Es war noch nicht zu spät. Etwas abseits haben wir gut gegessen und dann immer wieder ins Tal geblickt. Vor allem in die Richtung, aus der einst unsere Mutter den Berg bestieg. Vom beschriebenen blauen Schnee, den sie damals nur mit Mühe im Juli überschritten, und der damals wahrscheinlich ein Gletscher war, konnten wir nur noch einen kleinen Rest sehen. Was uns beim Aufstieg wie ein Wunder vorkam, war die Begegnung mit Maultieren. Von denen hatte Mutter geschrieben und Maultiere überholten uns ganz gemächlich, die dann weiter nach links abbogen.

Wir entschlossen uns, nicht zu übernachten. Es war alles so schön geworden und eine Steigerung war nicht nötig. Wir waren stolz auf unsere Mutter und auf uns. Mit der Schwebebahn, dem Bus und dem Zug ging es zu unserem Ausgangspunkt zurück. Und dann mit dem Wagen nach Hosenruck.

Als wir wieder zu Hause im Erzgebirge waren, wussten wir nicht, wie wir unsere Dankbarkeit ausdrücken sollten.
Spontan stellte Fritz einen Weihnachtsabend mit vielen Überraschungen für das Altersheim Alpenblick in Hosenruck zusammen. Da kam der Weihnachtsmann und brachte einen Gruß aus dem Erzgebirge für jeden der über 30 Alten ganz persönlich. Er musizierte auf seinem Elektropiano. Schöne alte Weihnachtsmelodien, Es wurde tüchtig mitgesungen. Mit zwei Blockflöten wurde auch musiziert. Es wurde ein Gedicht vorgetragen, und auf dem Gabentisch standen viele schöne Erinnerungen aus dem Erzgebirge. Räuchermann, Bergmann und Engel, die Pyramide, der Schwibbogen, die Krippenfiguren und in der Mitte unser selbstgebackener Stollen. Es wurde für die Heimbewohner und für uns ein schöner Nachmittag, diese Feierstunde zum dritten Advent.

Andächtig lauschten die Alten, und wir waren glücklich. Am Abend standen wir in der Küche und stellten uns vor, was an dem Ofen unsere Mutter 1918 so alles gelernt hatte.

Auf einmal hatte sich für uns die Welt aufgetan. Wir sind glücklich und dankbar.
Mit der Heimleitung verbindet uns eine innere Freundschaft und das tut uns gut. Es tut wahrscheinlich allen gut, die immer nur in der Isolation, wie unter einer Glasglocke, gelebt hatten. Auch die Inhaber des Hotels auf dem Nollen waren sehr nett. Wir durften sie später einmal in der Zentralschweiz besuchen.

Unser Leben ohne "Gläserne Glocke", die meist stark eingetrübt war, hatte begonnen.

PS
Das Leben unter dieser gedachten Glasglocke in der Vergangenheit hatte aber auch Wirkungen auf uns hinterlassen, die wir zu dieser Zeit noch nicht alle ahnen konnten. Die Glocke wurde ganz plötzlich weggenommen und der raue Wind, der den Erdball umkreiste und immer um die Glocke herumgeführt wurde, blies nun ins Gesicht und mancher Schnupfen stellte sich ein. Ja, es entstanden Epidemien, und viele, sehr viele Menschen werden sie nicht überstehen ohne bleibende Schäden. Über 40 Jahre ein Leben in der Isolation. Es wird wohl 40 Jahre andauern, bis die Auswirkungen der Isolation aus den Köpfen aller entfernt sind.

F.W.





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